Sitecore 10.1 – Horizon, Performance & mehr

Johannes Götz | Technologie

Am 25. Februar 2021 wurde die Sitecore Version 10.1 veröffentlicht. Schon in der Version 10 gab es jede Menge Neuerungen für Online-Marketer und auch für Entwickler. Nun mit 10.1 sind auch die üblichen Kinderkrankheiten beseitigt und weitere neue Features am Start. Ein guter Anlass das Schätzchen mal unter die Lupe zu nehmen.

Neuerungen für Redakteure und Marketer

Der Horizon-Editor wurde erneut erweitert und mausert sich langsam zum neuen Supertool für Redakteure. Außerdem steht nun mit Sitecore AI die Möglichkeit zur Verfügung, Personalisierungen mittels Machine Learning zu nutzen. Zudem gibt es für Nutzer der Salesforce Marketing Cloud nun bessere Funktionen zum Datenaustausch mit Sitecore. Aber der Reihe nach.

Horizon

Seit Version 9.3 ist er da; Horizon – Sitecores neuer Editor. Wer ihn sich noch nicht angeschaut hat, sollte das spätestens jetzt tun. Denn Horizon vereint viele gute Aspekte des Experience Editors und des Content Editors in einem und wird diese wohl auch perspektivisch ablösen.
Der Editor zeigt in der linken Spalte den Seitenbaum, welcher das schnelle Navigieren zu Seiteninhalten, aber z.B. auch das Anlegen und Löschen von Seiten erlaubt. Die mittlere Spalte zeigt den Seiteninhalt in einer WYSIWYG-Ansicht, in der man die Inhalte direkt editieren kann. Die bisher üblichen Dialogfenster wurden durch Drag & Drop-Funktionalitäten ersetzt, außerdem gibt es zahlreiche Textformatierungsmöglichkeiten direkt in der Ansicht. 
Die Details für ein ausgewähltes Element werden im rechten Bereich bearbeitet. Dazu zählen nicht-inline editierbare Itemfelder wie Designoptionen oder der Workflowstatus. Darüber hinaus ist es sehr praktisch, dass man über den Button mit dem Balkendiagramm im oberen rechten Bereich die Analysedaten für die Seite angezeigt bekommt. So hat man als Redakteur auch solche Informationen im Blick und kann sie bei der Arbeit berücksichtigen.
Ein Minifeature, dass aber für spürbar komfortablere Bedienung sorgt, ist das „Automatische Speichern“. Alles in allem arbeitet es sich im Horizon deutlich angenehmer, weil die ständigen Dialogfensterwechsel entfallen.

Mit Version 10.1 werden nun auch Multisite-Konfigurationen und Sprachversionen unterstützt. 
 
Screenshot: Horizon - Sitecores neuer Editor
Kurz zusammengefasst ermöglicht Horizon eine schnellere und durch reduzierte Wartezeiten auch deutlich angenehmere Inhaltspflege. Für Nutzer einer aktuellen Sitecore Version lohnt es sich auf jeden Fall Horizon auszuprobieren, da der Content Editor und der Experience Editor nicht wegfallen und im Bedarfsfall weiter genutzt werden können. Außerdem ist die Installation relativ einfach. 

Sitecore AI

Mit Sitecore AI zieht nun auch das Machine Learning in Sitecore ein. Sitecore AI analysiert gewonnene Daten, bildet Cluster und Segmente, auf die letztendlich perspektivisch alle möglichen Empfehlungen abgeleitet werden können. Mit Sitecore AI Auto Personalization kann man in Sitecore quasi „sofort“ mit der Personalisierung starten, ohne vorher manuell Segmente konfiguriert zu haben. Anhand definierter KPIs wie Engagement Value und Bounce Rates kann Sitecore automatisch Bilder, Textauszüge und CTAs personalisieren. Die Ergebnisse der Personalisierung sind sofort sicht- und messbar. 

Salesforce Marketing Cloud (SFMC) Connector

Sitecore-Kunden, die auch die Salesforce Marketing Cloud nutzen, können sich freuen. Denn seit Version 10 gibt es nun auch den Salesforce Marketing Cloud (SFMC) Connector. Dieser erlaubt sogar den Austausch von Daten in Echtzeit. Dafür können manuell Mappings für die einzelnen Facetten von Nutzerdaten in Sitecore und Salesforce konfiguriert werden. Auch praktisch: Über den Connector können Salesforce Marketing Plans aus Sitecore heraus angestoßen werden.

Weitere nützliche Änderungen für Redakteure

Neben den bereits erwähnten Punkten gibt es noch ein paar weitere nützliche Änderungen an verschiedenen Stellen:

  • Eine Miniänderung, die alle Redakteure sehr freuen wird. Copy & Paste in Rich-Text-Elementen entfernt jetzt automatisch Word- oder anderes Markup. Das erspart manuelles Aufräumen und senkt die Fehlerquote sicher deutlich
  • In Experience Analytics können Daten jetzt nach Segmenten gefiltert werden. Das ist nützlich, denn so kann man das Nutzerverhalten deutlich besser nachvollziehen.
  • Im Email Experience Manager (EXM) sind jetzt zahlreiche neue Standard-E-Mail-Vorlagen verfügbar. Die verfügbaren Vorlagen werden im folgenden Bild veranschaulicht.

 

  • Außerdem gibt es jede Menge neuer Aktionen für Marketing Automation Plans. Zum Beispiel können jetzt Aktionen basierend auf dem Geburtsdatum eines Kontakts durchgeführt werden. So können zum Geburtstag Glückwünsche, Rabattcodes oder ähnliches verschickt werden.
  • Es gibt außerdem eine Sitecore-eigene API-Funktionalität zum Löschen aller persönlichen Daten eines Kontakts. Damit kann u. a. leicht eine Submit Action für Formulare angelegt werden, die eine Anonymisierung auslöst.
  • Für Formulare gibt es eine neue Submit Action zum Versenden von E-Mails ohne EXM. Diese E-Mails werden direkt am Formular bearbeitet und gespeichert. Die Personalisierung von Inhalt und Betreff wird jetzt sowohl für E-Mails in EXM als auch in formulareigenen E-Mails unterstützt.

Neuerungen für Entwickler

Mit Sitecore 10.1 gibt es auch jede Menge Neuentwicklungen, die das Entwicklerherz erfreuen. Die TOP 3: Container Deployment, Serialisierung und der neue Rendering Host.

Docker Container Deployment

Seit Version 10 bietet Sitecore nun auch hauseigene Docker Container Images. Kurz gesagt, sorgen diese dafür, dass man alle nötigen Bibliotheken und Abhängigkeiten mit dem Container installiert und alle Pfade gleich korrekt konfiguriert sind. 
Es muss also nur noch der Container konfiguriert werden, welcher dann auf Rechnern von Entwicklern oder beim Deployment gestartet werden kann. 
Besonders hilfreich ist dies, wenn neue Entwickler in ein Projekt einsteigen. Je nach Projekt kann bei der ersten Einrichtung somit viel Zeit eingespart werden. Außerdem werden potenzielle Fehlerquellen durch manuelle Installationsschritte sowohl auf Entwicklermaschinen als auch bei Server Deployments deutlich reduziert.
Meines Erachtens nach rechtfertigt das Vorhandensein von Sitecore Containern allein kein Sitecore Upgrade. Für neue Projekte oder bei geplanten Versionsupgrades ist die Nutzung von Containern aber absolut empfehlenswert.

Sitecore Serialization

Bisher war Sitecore für die Serialisierung von Items auf eine von zwei Lösungen von Drittanbietern angewiesen. “Team Development Service (TDS)“ bzw.  das Communityprojekt Unicorn. Sitecore hat sich nun diese beiden Lösungen als Vorbild genommen und die wichtigsten Funktionalitäten in einer eigenen Lösung zusammengetragen. Für die neue Serialisierungslösung steht sowohl ein CLI (Command Line Interface), als auch eine grafische Erweiterung für Visual Studio zur Verfügung.
Für eine effiziente Entwicklung mit Sitecore kommt man um die Serialisierung von Sitecore Items eigentlich nicht herum. Deshalb findet diese in jedem unserer Projekte Anwendung. 

Die Serialisierungsfunktionalität passt auch gut zum Container Deployment, da das Starten eines Containers die Installation einer Sitecore Instanz ersetzt. Beim Starten des Containers müssen daher auch Sitecore Items angelegt werden. So ist man bei der Nutzung von Containern nicht auf eine Drittanbieterlösung angewiesen, um eine lauffähige Instanz zu bekommen.

Sitecore Rendering Host

Mit dem Sitecore Rendering Host (auch Rendering SDK genannt) macht Sitecore den nächsten Schritt in Richtung Headless CMS. Headless ist ein Architekturansatz, der in der CMS-Welt in aller Munde ist. Die grundsätzliche Idee dahinter ist es, Inhalte und Strukturen von der Visualisierung und dem Frontend zu trennen. 
Bisher hatte Sitecore für diesen Zweck schon Sitecore JavaScript SDK (JSS) im Programm. Nun kommt mit dem Sitecore Rendering Host ein zweiter Ansatz dazu. Beim Rendering Host wird die Erzeugung des Frontends auf eine separate Instanz ausgelagert. Dem Rendering Host werden die zu rendernden Daten in Form von JSON-Dateien übergeben und auf dem Rendering Host mit CSS angereichert und gerendert. Der Rendering Host wurde mit .NET-Core umgesetzt und ist somit auch plattformunabhängig. Das vergrößert die infrastrukturellen Möglichkeiten enorm. 
Ein solcher Ansatz bietet vor allem in der Entwicklung einige Vorteile. So können Frontendentwickler ihre Änderungen direkt auf einem Testsystem prüfen ohne, dass dieses erneut deployed oder installiert werden muss.