Deutsches Seminar für Tourismus Berlin e.V.Bundesweite Plattform zur Datenerfassung für barrierefreie Reiseangebote

Das Deutsche Seminar für Tourismus Berlin e.V. (DSFT) ist Betreiber der Online-Plattform Reisen für Alle - die deutschlandweit zentrale Zertifizierungsstelle für barrierefreie Tourismusangebote. Das DSFT wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und betreibt ein Kennzeichnungssystem, um deutschlandweit die Barrierefreiheit von touristischen Betrieben zu prüfen. Wir halfen dem DSFT dabei, die Datenerfassung von neuen Angeboten, deren Prüfung und Zertifizierung künftig webbasiert, „mobile friendly“ und bei Bedarf auch offline vorzunehmen. Dafür machten wir uns die Vorteile von Progressive Web Apps (PWA) zunutze.

Auf einem Tablet-Gerät ist die Plattform zur Dateneingabe für barrierefreie Reiseangebote dargestellt.

Hintergrund und Vision: Reisen für Alle! 

Immer mehr Reiseanbieter richten ihr Angebot auch auf Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen aus. Damit touristische Betriebe, wie z.B. Hotels ihre Komfortstandards für Menschen mit speziellen Anforderungen besser ausweisen können, hat das DSFT ein bundesweit gültiges Kennzeichnungssystem – das Gütesiegel „Reisen für Alle" eingeführt.

Bislang erfolgte die Datenerfassung recht umständlich auf Papierbögen, was ein enormer Aufwand war. Informationen mussten nach der ersten Erfassung ein weiteres Mal manuell erfasst (abgetippt) werden. Das beanspruchte nicht nur viel Zeit, sondern hatte auch eine hohe Fehleranfälligkeit zur Folge. Um den Beschaffungs- und Verarbeitungsprozess der Informationen effektiver zu gestalten und Entscheidungen über Zertifizierungen künftig computergestützt treffen zu können, benötigte das DSFT eine webbasierte Anwendung zur Datenerhebung und –bearbeitung. Diese sollte auch netzunabhängig auf mobilen Endgeräten laufen, denn Daten-Erheber müssen auch an Orten arbeiten können, wo eine schlechte Internetverbindung herrscht. Wie zum Beispiel im Keller einer Burg, die als touristische Attraktion erfasst werden soll. Die erhobenen Daten sollten dann aber nicht nur auf dem Portal „Reisen für Alle“ veröffentlicht, sondern auch dritten Portalen, wie z.B. Hotelbuchungs- oder Informationsportalen wie Germany.travel zur Verfügung gestellt werden.

Das sagt unser Kunde

"Wir können Informationen nun webbasiert und netzunabhängig erfassen lassen."

„Unser Ziel ist, künftig allen Reisenden, darunter auch Senioren, Menschen mit einer Behinderung oder Familien mit Kinderwagen und Gepäck verlässliche Informationen über touristische Anbieter liefern zu können. Mit der Unterstützung von webit! können wir diese Informationen nun viel schneller webbasiert erfassen, Betriebe zertifizieren und auf unserer eigenen sowie anderen Informations- und Buchungsseiten einbinden.“

Rolf Schrader, Projektleitung Reisen für Alle / Geschäftsführer, Seminardirektor DSFT

Technische Highlights: Single Page Application, Progressive Web App und GraphQL 

Mit dem Ziel die Benutzererfahrung insbesondere bei mobilen Endgeräten und unzuverlässiger Internetverbindung zu verbessern, entschieden wir uns für die Realisierung des Frontends als Single Page Application (SPA) auf Basis des JavaScript Frameworks React. React wurde von Facebook entwickelt und gehört aktuell zu den gefragtesten Lösungen zum Erstellen von modernen Webanwendungen. Das Backend, welches letztendlich die Daten sowie die Anwendungslogik beinhaltet, haben wir auf Basis von Ruby on Rails entwickelt. Die Kommunikation zwischen Frontend und Backend erfolgt über eine GraphQL-Schnittstelle. Die Frontend-Anwendung verfügt außerdem über Eigenschaften einer Progressive Web App (PWA), damit sie auch bei Netzverlust funktioniert.

Der Unterschied einer Single Page Application zu einer klassischen Webanwendung liegt hauptsächlich in der geänderten Rolle des Servers. Während der Server in einer klassischen Webanwendung die Auslieferung aller zugehörigen Ressourcen (z.B. alle HTML-Files sowie Assets) übernimmt, muss er bei einer SPA nur eine einzige Ressource (z.B. ein Gesamt-HTML-File) zur Verfügung stellen. Navigiert der Nutzer über eine solche Website, reagiert die Webanwendung nur, indem sie die Änderungen beim Server abfragt, ohne die Seite komplett neu laden zu müssen. Der Server stellt die benötigten Daten über eine API zur Verfügung. Und genau hier liegt der Vorteil, den wir uns in diesem Projekt zunutze machen konnten. Die Kommunikation wird vereinfacht, da nicht jedes Mal die gesamte Seite berechnet und ausgeliefert werden muss. Die Anfragen können dadurch effizienter und schneller beantwortet werden.

Ein weiterer positiver Effekt entsteht durch die Offline-Speichern Funktionalität der Progressive Web App (PWA). PWAs cachen und speichern Inhalte im Browser, die dann nicht immer wieder neu geladen werden müssen und auch offline zur Verfügung stehen. Das Offline-Speichern funktioniert mit Unterstützung der neuen Browsertechnologie Service-Worker, die von immer mehr Browsern, darunter Firefox und Chrome, unterstützt wird. Der Service-Worker erlaubt es, Daten im Hintergrund zu laden – auch nach dem Verlassen einer Website. Dadurch können Websites immer dann aktualisiert werden, wenn Internet zur Verfügung steht. Die Nutzer unserer Anwendung kommen so in den Genuss, detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit von Objekten auch offline erfassen zu können. Sobald sie wieder Internetverbindung haben, werden die Daten mit dem Server abgeglichen.

Screenshot eines Formulars zur Dateneingabe.
Screenshot eines Formulars zur Dateneingabe.
Screenshot eines Formulars zur Dateneingabe.
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Auf einem Tablet-Gerät ist ein Formular zur Datenpflege abgebildet.

Das Ergebnis

Die Anwendung umfasst einen Formularbaukasten mit mehr als 40 Formulartypen, 800 Eingabefeldern zur Erfassung von über 1.500 Anforderungen an die Barrierefreiheit. Damit können jetzt bspw. Parkplätze, Schlafräume, Umkleidekabinen, Toiletten und vieles weitere mehr erfasst werden. Zudem verfügt die Anwendung über ein spezifisches Rollen-Rechtesystem durch das DSFT, Lizenznehmer, Daten-Erheber und Betriebe jeweils nur auf bestimmte Inhalte zugreifen und diese bearbeiten können. Aktuell ist die Datenerfassung in Deutsch und Englisch vorgesehen. Perspektivisch kann sie auch in weiteren Sprachen ausgerollt werden.

Das Projekt war für unsere Entwickler aus zwei Gründen besonders spannend. Sie konnten sich zum einen intensiv mit Progressive-Web-App-Entwicklung, neuesten Browsertechnologien und GraphQL auseinandersetzen. Zum anderen mussten Frontend- und Backendabteilung noch enger zusammenarbeiten als in anderen Projekten. Denn im Entwicklungsprozess greift das Frontend via GraphQL direkt auf Daten aus dem Backend zu. Das hatte den angenehmen Effekt, dass schneller auf Probleme reagiert und am Ende auch Zeit gespart werden konnte.