EuRuKo 2026

Zwei Tage Ruby & jede Menge neue Impulse
Recap EuRuKo 2026
Mitte September stand mit der EuRuKo wieder eines der wichtigsten Ruby-Events des Jahres auf dem Programm. Am 17. und 18. September waren Paul, Roland, Christoph und Richard im tschechischen Brünn vor Ort. Mitgebracht haben sie neue technische Ansätze, viele Gespräche und einige Ideen zum Weiterdenken und Ausprobieren.
Die EuRuKo ist seit jeher ein besonderes Event: von der Community organisiert, jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt und mit einem spürbar offenen Austausch. In diesem Jahr drehte sich vieles um Performance, Ruby Internals, also das Innenleben der Programmiersprache, und den Einfluss von KI auf die Softwareentwicklung.
Opening Keynote von Matz
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Yukihiro „Matz“ Matsumoto, der Erfinder von Ruby, eröffnete die Konferenz mit einer grundsätzlichen Frage: Welche Rolle spielt eine Programmiersprache, die für Menschen entwickelt wurde, wenn immer mehr Code mit KI-Unterstützung entsteht? Seit dem letzten Jahr, so Matz, habe sich die Codeentwicklung grundlegend verändert.
Seine Antwort: Ruby hat auch im KI-Zeitalter seine Berechtigung. Die Sprache kommt für viele Aufgaben mit vergleichsweise wenig Code aus. Schreibt eine KI Ruby-Code, verbraucht sie dadurch weniger Token. Das spart in der Entwicklung Zeit und Kosten, wie Matz anhand eines Vergleichs mit anderen Programmiersprachen zeigte. Potential hingegen sieht Matz bei der Ausführungsgeschwindigkeit. Gerade weil Rechenleistung immer teurer wird, lohnt es sich, Ruby-Anwendungen noch effizienter zu machen.
Einen Lösungsansatz liefert Matz mit Spinel, einem sogenannten AOT-Compiler. Vereinfacht gesagt wird Ruby-Code damit bereits vor der Ausführung in eine Form übersetzt, die schneller ausgeführt werden kann. Für komplette Rails-Anwendungen ist Spinel noch nicht ohne Weiteres geeignet. Ein erstes Experiment mit der Chat-Anwendung Campfire zeigte aber, wie viel Performance und Ressourcen sich so gewinnen lassen. Für unsere Projekte ist Spinel damit noch kein Thema, die Richtung ist aber vielversprechend.
Spannend war auch der Blick hinter die Kulissen: Spinel entsteht komplett per Vibe Coding. Matz gibt nur noch die Leitplanken vor und trifft größere Architekturentscheidungen. Den Code schreibt die KI, und das in beeindruckendem Tempo. Für unsere Kundenprojekte ist dieser Ansatz trotzdem keine Option. Bei einem experimentellen Projekt ist es vertretbar, dass der Entwickler den Code nicht bis ins Detail kennt. Anwendungen, die über Jahre zuverlässig und sicher laufen und von verschiedenen Entwicklern gewartet werden, stellen andere Anforderungen: Schwer nachvollziehbarer Code, unbemerkte Sicherheitslücken und wachsende technische Schulden wiegen hier deutlich schwerer. Wir setzen KI deshalb gezielt als Unterstützung ein. Die Verantwortung für den Code bleibt bei unseren Entwicklern.
1.000 Änderungen am Tag bei GitHub

Hana Harencarova, Senior Software Engineer bei GitHub, zeigte, wie dort täglich mehr als 1.000 Änderungen an einer großen Rails-Anwendung ausgeliefert werden. Dafür werden große Features in kleine Änderungen aufgeteilt und kontinuierlich veröffentlicht. Feature Flags sorgen dafür, dass neue Funktionen technisch ausgerollt werden können, für Nutzer aber verborgen bleiben, bis sie vollständig implementiert und getestet sind. Automatisierte Prüfungen vor jeder Auslieferung und ein geordnetes, schrittweises Zusammenführen der Änderungen sorgen dafür, dass trotz des hohen Tempos alles stabil läuft.
GitHub betreibt eine der größten Rails-Anwendungen der Welt und spielt damit in einer ganz eigenen Liga. Eine solche Größenordnung erreichen auch unsere großen Projekte nicht. Spannend ist der Ansatz für uns trotzdem, denn über langwierige Release-Prozesse mit vielen gebündelten Änderungen haben wir uns bereits Gedanken gemacht und intern diskutiert, wie sie sich verschlanken lassen. Der Vortrag lieferte dafür wertvolle Impulse: Kleinere, häufigere Releases machen jede einzelne Änderung überschaubarer und senken so das Risiko. Für unsere Kunden heißt das im besten Fall: Neue Funktionen und Fehlerbehebungen kommen schneller bei ihnen an, statt auf das nächste große Release warten zu müssen.
RubyLLM 2.0: KI im Produktivbetrieb
Mit RubyLLM 2.0 zeigte Carmine Paolino, Gründer und CEO von Chat with Work, wie sich KI-Funktionen direkt in Ruby- und Rails-Anwendungen integrieren lassen. Bereits auf der EuRuKo 2025 hatte er die Bibliothek vorgestellt. Eine gemeinsame Schnittstelle zu aktuell 17 KI-Anbietern ermöglicht es, Modelle oder Anbieter zu wechseln, auch zwischen Cloud und lokal betriebenen Modellen, ohne die gesamte Anwendungslogik neu schreiben zu müssen. Für einen ersten Chat genügt eine einzige Zeile Code.
Spannend war vor allem der Blick auf den produktiven Einsatz. Sobald KI-Funktionen dauerhaft in Anwendungen laufen, werden Kosten, Ausfallsicherheit und Nachvollziehbarkeit wichtig. RubyLLM 2.0 setzt dafür unter anderem auf Caching und Batch-Verarbeitung, alternative Modelle bei Ausfällen eines Anbieters, Quellenangaben zu den Antworten und eine bessere Nachverfolgung komplexer KI-Abläufe. Neue oder kleinere Anbieter lassen sich außerdem einfacher ergänzen. Für uns ist RubyLLM vor allem mit Blick auf künftige KI-Funktionen in Kundenprojekten interessant: Eine einheitliche Schnittstelle hält Anwendungen unabhängig von einzelnen Anbietern, und Funktionen wie Fallbacks und Quellenangaben machen KI-Features verlässlicher im täglichen Einsatz.
Community erleben
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Was die EuRuKo ausmacht, ist die Nähe zur Ruby-Community. Die Atmosphäre ist familiär, und zwischen den Vorträgen blieb viel Raum für Diskussionen mit anderen Entwicklern. Auch mit der deutschen Ruby-Community kamen wir ins Gespräch, etwa darüber, wie sich der Austausch zwischen den lokalen User Groups verstärken lässt und welche gemeinsamen Projekte daraus entstehen könnten. In vielen Gesprächen zeigte sich außerdem, dass KI für neue Begeisterung sorgt: Ideen lassen sich schneller ausprobieren, Experimente mit neuer Technik werden einfacher, und die Hürde, sich in Open-Source-Projekten zu engagieren, sinkt.
Fazit
Für unsere Kollegen waren es zwei Tage mit neuen technischen Ansätzen, viel Austausch und einigen Ideen zum Weiterdenken und Ausprobieren. Die EuRuKo 2026 hat gezeigt, dass Ruby im KI-Zeitalter nicht an Relevanz verliert: Von schnellerer Ausführung über effizientere Deployments bis hin zu produktionsreifen KI-Integrationen tut sich in der Community gerade eine Menge. Kleinere, häufigere Releases mit Feature Flags oder der verstärkte Einsatz von KI-Funktionen mithilfe von RubyLLM sind Themen, die wir uns für unsere Projekte genauer anschauen wollen. Wir freuen uns schon jetzt auf die EuRuKo 2027 in Modena!
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